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Lizenzen für Forschungsdaten

Rechtliche Rahmenbedingungen sollten bereits möglichst zu Beginn eines Forschungsvorhabens berücksichtigt werden – dazu zählen beispielsweise das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte. Im Folgenden erfahren Sie mehr über das Urheberrecht in Bezug auf Forschungsdaten sowie Creative Commons (CC)-Lizenzen. Ab Version 4.0 sind diese auch für Forschungsdaten geeignet.

Urheberrecht und Forschungsdaten

Das Urheberrecht schützt die Rechte von UrheberInnen an geistigen Schöpfungen. Der Schutz bezieht sich auf Werke der Literatur, Kunst und Wissenschaft, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Geschützte Werke dürfen ohne Zustimmung der UrheberInnen beispielsweise nicht verbreitet oder verändert werden. Das Urheberrecht kann daher die freie Verfügbarkeit von Forschungsergebnissen einschränken. Grundsätzlich fallen Forschungsdaten nicht unter den Schutz des Urheberrechtsgesetzes, wenn sie als reine Fakten vorliegen. Dieser Schutz liegt erst dann vor, wenn eine persönliche geistige Schöpfungsleistung gegeben ist, oder eine wesentliche Investition für die Datensammlung erforderlich war. Da diese Investition bei Forschungsdaten meist im Rahmen der Datenerhebung erfolgt, deren Kosten nach §87a UrhG nicht berücksichtigt werden, unterliegen die so geschaffenen Datensammlungen nicht dem Urheberrecht [1]. Dies muss jedoch im jeweiligen Einzelfall geprüft werden, z.B. wenn die Daten in verschiedenen Bearbeitungsstufen vorliegen. Hier sollten Sie sich im Zweifelsfall an JuristInnen wenden. Für eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem Urheberrecht und Forschungsdaten empfehlen wir diesen Beitrag von forschungsdaten.info.

Lizenzen

Um eine maximale Nachnutzbarkeit Ihrer Forschungsdaten zu gewährleisten, sollten Sie die Vergabe von freien Lizenzen in Betracht ziehen. Lizenzen sind Standardverträge, die allen Nutzern von Forschungsdaten bestimmte Handlungen erlauben. Über Lizenzen können DatengeberInnen die Nachnutzung der veröffentlichten Forschungsdaten an bestimmte Bedingungen knüpfen und diese Bedingungen leicht verständlich und nachvollziehbar darstellen. Freie Lizenzen räumen NutzerInnen umfängliche Rechte ein, wie zum Beispiel die Verbreitung der Forschungsdaten Die Vergabe von freien Lizenzen zielt auf die verstärkte Nachnutzung von Forschungsdaten ab und fördert dadurch Kollaborationen und die Transparenz von Forschungsergebnissen. . Sie sind darum ein wichtiges Werkzeug, um beispielsweise den zunehmenden Forderungen nach der Verfügbarkeit von Forschungsdaten aus öffentlich geförderten Forschungsprojekten nachzukommen. In RADAR können DatengeberInnen Lizenzen für Datenpakete vergeben, um Nutzungsrechte für Forschungsdaten festzulegen. Der Lizenzvermerk ist Bestandteil der beschreibenden Metadaten eines Datenpakets. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen das Videotutorial „Metadaten für Datenpakete“.

Lizenzwahl

Vor der Wahl einer Lizenz sollten Sie sicher stellen, dass…

  • …die RechteinhaberInnen der Forschungsdaten eindeutig identifiziert sind, und sie das Recht haben, die Daten öffentlich oder für einen bestimmten Nutzerkreis zugänglich zu machen.
  • …der (potentielle) kommerzielle Wert der Daten bedacht wurde. Forschungsdaten, die bereits veröffentlicht wurden, können z.B. in der Regel nicht mehr im Rahmen einer Patentanmeldung verwendet werden.
  • …eine möglichst weitreichende Nachnutzung der Forschungsdaten im Sinne der DatengeberInnen bzw. DatenautorInnen erreicht werden kann.

 

CC-Lizenzen

In RADAR können Sie aus einer Reihe von Lizenzen wählen, zum Beispiel den Creative-Commons(CC)-Lizenzen. Creative Commons-Lizenzen bieten RechteinhaberInnen und potentiellen NutzerInnen von Forschungsdaten viele Vorteile:

  • Sie respektieren das Urheberrecht.
  • Sie sind weltweit bekannt, in ihrer Geltung auch durch deutsche Gerichte grundsätzlich anerkannt und können daher auch gerichtlich durchgesetzt werden.
  • Sie werden kontinuierlich aktualisiert und an die jeweilige Rechtslage angepasst.
  • Die Nutzungsrechte werden klar und verständlich dargestellt.

CC-Lizenzen sind modular aufgebaut und können dadurch flexibel an Anforderungen angepasst werden. Rechteinhaber können aus insgesamt 7 Lizenzen wählen, die aus folgenden 4 Modulen zusammengesetzt sind:

Icon Kürzel Beschreibung
BY Attribution / Namensnennung: die Rechteinhaber des Werks müssen genannt werden. Veränderungen müssen kenntlich gemacht werden.
NC non commercial / nicht kommerziell: das Werk darf nur in einem nicht-kommerziellen Rahmen genutzt werden.
ND no derivatives / keine Bearbeitung: Veränderungen des Werks dürfen nicht veröffentlicht werden.
SA share alike / Weitergabe unter gleichen Bedingungen: Veränderungen des Werks müssen unter gleichen Nutzungsbedingungen verbreitet werden.

Durch Kombination der Module können RechteinhaberInnen Nutzungsbedingungen präzise und verständlich formulieren.

Logo Kürzel Bezeichnung Beschreibung
CC0 Creative Commons Zero Mit dieser Lizenz verzichtet der/die DatengeberIn (soweit dies nach deutschem Urheberrecht möglich ist) auf die Urheberrechte für die so lizenzierten Daten bzw. räumt vollumfassend Nutzungsrechte ein. Damit können die unter einer CC0-Lizenz stehenden Werke ohne Bedingungen kopiert, verändert und verbreitet werden. Bei diesen Werken besteht weiterhin auch keine Verpflichtung, den/die UrheberIn der Daten zu nennen.
CC BY Namensnennung Diese Lizenz erlaubt Dritten, ein Werk bzw. den Inhalt zu kopieren, verbreiten und zugänglich zu machen, sowie Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes anzufertigen und zu verbreiten, auch kommerziell, solange der/die UrheberIn des Originals genannt wird. Diese Lizenz erlaubt eine maximale Verbreitung und Nutzung des lizenzierten Materials.
CC BY-SA Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Diese Lizenz erlaubt es Dritten, ein Werk bzw. den Inhalt zu kopieren, verbreiten und zugänglich zu machen, sowie Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes anzufertigen und zu verbreiten, auch kommerziell, solange der/die UrheberIn des Originals genannt wird und die auf diesem Werk oder Inhalt basierenden neuen Werke unter denselben Bedingungen veröffentlicht werden. Alle neuen Werke und Inhalte, die auf diesem aufbauen, werden unter derselben oder einer mit dieser Lizenz kompatiblen Lizenz stehen, also auch kommerziell nutzbar sein.
CC BY-NC Namensnennung - nicht kommerziell Diese Lizenz erlaubt es Dritten, ein Werk bzw. den Inhalt zu kopieren, verbreiten und zugänglich zu machen, sowie Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes anzufertigen und zu verbreiten, allerdings nur nicht-kommerziell und solange der/die UrheberIn des Originals genannt wird.
CC BY-NC-SA Namensnennung - nicht kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Diese Lizenz erlaubt es Dritten, ein Werk bzw. den Inhalt zu kopieren, verbreiten und zugänglich zu machen, sowie Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes anzufertigen und zu verbreiten, allerdings nur nicht-kommerziell und solange der/die UrheberIn des Originals genannt wird und die auf diesem Werk bzw. Inhalt basierenden neuen Werke unter denselben Bedingungen veröffentlicht werden.
CC BY-ND Namensnennung - keine Bearbeitung Diese Lizenz erlaubt Dritten, ein Werk bzw. den Inhalt zu kopieren, verbreiten und zugänglich zu machen, kommerziell wie nicht-kommerziell, solange dies ohne Veränderungen und vollständig geschieht und der/die UrheberIn genannt wird.
CC BY-NC-ND Namensnennung - nicht kommerziell - keine Bearbeitung Diese Lizenz erlaubt lediglich das Kopieren, Verbreiten und Zugänglichmachen des Werkes oder Inhaltes unter Nennung der UrheberInnen, jedoch keinerlei Bearbeitung oder kommerzielle Nutzung.
  Keine freie Lizenz Urheberrecht Alle Rechte vorbehalten.

Je nach Kombination von Modulen entstehen verschiedene Lizenzen von sehr frei (z.B. CC0, CC-BY) bis sehr restriktiv (CC-BY-NC-ND). Auf der Webseite von Creative Commons finden Sie einen Fragebogen, der Sie bei der Wahl einer passenden Lizenz unterstützt. Für weiterführende Informationen zur Verwendung freier Lizenzen empfehlen wir Ihnen die Handreichung von Kreutzer[2].

 

Verzicht auf Urheberrechte

Anders als beispielsweise in den USA können UrheberInnen im deutschen Rechtsraum nicht vollständig auf Urheberrechte verzichten: UrheberInnen können das sogenannte Urheberpersönlichkeitsrecht nicht aufgeben. Mit der CC-Lizenz CC0 v1.0 Universal kann der/die DatengeberIn aber signalisieren, dass er Urheberrechte nicht geltend macht. Damit räumt er NutzerInnen umfängliche Rechte ein und fördert die Verbreitung und Nachnutzung von Forschungsdaten. Bitte beachten Sie: mit den Lizenzbedingungen und Nutzungshinweise für Datengeber von RADAR stimmen DatengeberInnen der Vergabe einer CC0-Lizenz für beschreibende Metadaten der Datenpakete zu. Die Wahl der Lizenz für die Forschungsdaten selbst obliegt den DatengeberInnen.

 

 

[1] Schulze/Dreier, § 87a, Rn. 11 ff. in Dreier, T./Schulze, G., Urheberrechtsgesetz: Kommentar, 3. Aufl. 2009.

[2] Kreutzer, T. Open Content - Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen, 2016. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cd/Open_Content_-_Ein_Praxisleitfaden_zur_Nutzung_von_Creative-Commons-Lizenzen.pdf